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Referenzen

Zusammenarbeit mit Inter Homines www.inter-homines.org
Erstes gemeinsame Projekt startet im Mai Kampfkunst für politisch verfolgte Frauen

Auswertung von Dr. Freihart Regner


zum Video

(Das Illustrationsvideo enthielt ursprünglich auch Aufnahmen von Übungen mit Klientinnen. Allerdings wollten diese dann doch nicht im Internet erscheinen.)

Die unten ausgeführte Konzeption erwies sich im dreimonatigen Einführungsprojekt als sehr sinnvoll und hilfreich: Wie im Video beispielhaft gezeigt wird, kamen die Teilnehmerinnen durch die Kampfkunst-Übungen spielerisch und wohldosiert mit aggressiv besetzten Situationen in Kontakt. Das ist förderlich für Menschen, die durch Gewalterfahrungen traumatisiert und deren gesunde Selbstverteidigungsfähigkeit dadurch oftmals beeinträchtigt wurde. Die im Video gezeigten körperlichen Konzentrations- und Entspannungsübungen (Siu Nim Tao und ChiKung) helfen dann, das Erlebte gut zu integrieren. Die Teilnehmerinnen berichten, dass die Übungen ihnen Spaß gemacht und sie körperlich und seelisch aufgelockert hätten, was bei schwer traumatisierten Frauen bereits ein bemerkenswerter Erfolg ist. Zudem war zu beobachten, dass dadurch mental stärkende Erlebensbereiche erschlossen werden, die in der sonstigen psychosozialen Praxis kaum zugänglich sind.

An der Gruppe nahmen bis zu zehn Frauen und Mädchen teil, allerdings war die Resonanz auf das Angebot insgesamt nicht ausreichend. Dies liegt an der mangelnden Vertrautheit mit psychosozial angewandter Kampfkunst, sprachlichen, interkulturellen und geschlechtsbezogenen Barrieren sowie organisatorischen Widrigkeiten wie Terminprobleme, lange Wegstrecken und Fahrtkosten.

Inter Homines zieht aus all dem die Konsequenz, Fördergelder für ein einjähriges Kampfkunstprojekt für politisch verfolgte Frauen und Mädchen zu beantragen. Allerdings geschieht dies erst, wenn sich mindestens 15 Interessentinnen verbindlich für das geplante Projekt angemeldet haben. Interessierte wenden sich dafür bitte an den Inter-Homines-Kontakt.


Hintergrund

Politisch traumatisierte Frauen haben extreme Ohnmachtserfahrungen erlebt und überlebt. Beispielhaft seien Frauen aus dem Kosovo genannt. Ende der 80er Jahre spitzte sich dort die „Serbisierungspolitik“ zu: Kosovo-Albaner/innen wurden aus Politik, Recht, Gesundheit, Bildung ausgegrenzt, Repressalien ausgesetzt, und es kam zu gewalttätigen Übergriffen. Anfang der 90er Jahre begannen die Balkankriege. Im Kosovo wurden von serbischen Milizen regelmäßig Hausdurchsuchungen nach Männern und Waffen durchgeführt. Dabei wurden die Männer meistens verprügelt, oft auch gefoltert und umgebracht. Die Frauen wurden geschlagen und belästigt, häufig vergewaltigt. Die Männer mussten oft fliehen, die Frauen blieben mit den Kindern allein zurück und waren diesem Terror jahrelang ausgesetzt. 1998 begann der Kosovokrieg, mit brutalsten Vertreibungen und Grausamkeiten gegen die albanische Bevölkerung. Wer nach Deutschland fliehen konnte, fand auch hier nicht wirklich Schutz und Sicherheit: Die Flüchtlinge erhielten jahrelang sogenannte „Kettenduldungen“, d.h. ihr Aufenthalt wurde immer nur jeweils um Monate verlängert. So konnte weder die traumatische Vergangenheit bearbeitet noch eine wirkliche Zukunftsperspektive entwickelt werden.

Ähnliches ließe sich von verschiedenen anderen Ländern berichten. Wenn die betroffenen Frauen ihre Traumatisierung mit eigenen Worten beschreiben, sagen sie öfter: „Seit der Misshandlung ist etwas in mir zerbrochen, ich bin nicht mehr derselbe Mensch“, „Danach fühlte ich mich wie wahnsinnig“, „In meinen Alpträumen kehrt diese schreckliche Situation immer wieder zurück“.

Angebot

Der Kernpolitischer Traumatisierung sind extreme Ohnmachtserfahrungen. Deshalb sind Erfahrungen von Ermächtigung / Empowerment wichtig, um das Trauma zu überwinden oder wenigstens abzuschwächen. Kampfkunst ist eine ausgezeichnete Möglichkeit, aus einer passiven Opferhaltung herauszufinden, sich zu ermächtigen und eine Empowerment-Haltung einzunehmen. Denn das Training verläuft über eine Schulung des Körpers, die dann als Geisteshaltung verinnerlicht werden kann. Kampfkunst hat daher ein hohes traumatherapeutisches Potential.

Vor diesem Hintergrund soll mit politisch traumatisierten Frauen geübt werden. Dieses Angebot ist für Frauen wichtiger als für Männer, da Frauen meistens über weniger Sozialisationserfahrungen in Selbstverteidigung verfügen. WT bietet sich hier besonders an, weil es der Legende nach von einer Frau, der Nonne Ng Mui, erfunden wurde und weil der Name Wing Tsun nicht zufällig ein chinesischer Frauenname ist: seine Bewegungsabläufe sind besonders „weiblich“, weich und dabei hocheffektiv. Es ist für ein traumatherapeutisches Programm zudem besonders geeignet, weil es nicht nur bestimmte Kampftechniken vermittelt, sondern auf drei Ebenen angelegt ist: (1) körperliche Selbstverteidigung, (2) Strategie und Taktik, (3) Selbstvervollkommnung. WingTsun ist insofern nicht nur eine Kampfkunstschulung, sondern auch eine Lebensschulung, die sich zu (trauma)therapeutischen Prinzipien – vor allem der Überwindung von Rückzug und Passivität – stimmig in Beziehung setzen lässt.

Risiken

Zugleich muss beachtet werden, dass bei politisch traumatisierten Frauen die Gefahr der Trauma-Reaktivierung besteht: Trainingssituationen können an erlittene Gewalterfahrungen erinnern und das Trauma wieder in überwältigender Weise ins Bewusstsein rufen. Deshalb wird das Training mit diesem Klientel viel vorsichtiger und schonender durchgeführt als üblicherweise. Entspannungselemente im Training, wie warming up, Gesundheits-Siu-Nim-Tao, Dehn- und Atemübungen, WT-ChiKung, meditative Musik, Theorie u.a., werden besonders betont.

Chancen

Auf der anderen Seite bieten Erinnerungen an Gewalterfahrungen auch die Chance zur Traumaintegration. Denn wenn die ursprüngliche Situation durch seelisch verletzende Ohnmacht und Kontrollverlust gekennzeichnet war, bietet die Trainingssituation die Möglichkeit, nachträglich wieder Kontrolle darüber zu erlangen. Die traumatische Erinnerungsspur kann dadurch positiv verändert werden. Um diesen Prozess der Traumabearbeitung zu begleiten und zu fördern, werden bei Bedarf auch Einzelgespräche angeboten. Da es sich aber zunächst nur um einen dreimonatigen Einführungskurs handelt, wird die traumapsychologische Dimension äußerst zurückhaltend und vorsichtig behandelt.

Rahmenbedingungen

Am Kampfkunstprojekt für politisch traumatisierte Frauen können bis zu 20 Personen teilnehmen, die über die verschiedenen Facheinrichtungen in Berlin erreicht werden. Auch die Töchter können teilnehmen. Voraussetzungen zur Teilnahme sind ausreichende Deutschkenntnisse, psychosoziale Grundversorgung in einer Facheinrichtung und hinreichende psychophysische Stabilität.

Das Projekt ist als Einführungskurs konzipiert, der anschließend ausgewertet wird. Eventuell kann später ein länger dauerndes Kampfkunstprojekt mit intensiverer traumatherapeutischer Ausrichtung durchgeführt werden. Inter Homines behält sich konzeptuelle Änderungen und Anpassungen, wie sie sich im Projektverlauf ergeben können, grundsätzlich vor.

Durchführung

Der Kampfkunst-Anteil der Gruppe wird von Sifu Michael Schneider geleitet, der seit 1992 eine eigene WingTsun-Schule führt. Er hat den vierten Lehrergrad und verfügt über Zusatzausbildungen zum Kids-WT-Fachtrainer sowie WT-Gewaltprävention. Er arbeitete früher auch als Yoga- und Meditationslehrer.

Der psychosoziale Anteil der Gruppe wird von Dipl.-Psychologe und Gestalttherapeut Dr. Freihart Regner geleitet. Der musische und frauenspezifische Anteil wird von der Musiktherapie-Praktikantin Suk-Young Hwang begleitet. Sie ist studierte Musiklehrerin und Chorleiterin.

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Referenzen aus der WT-Welt 2001
M-Sec und WingTsun

Die M-Sec Sicherheitsdienst GmbH betreibt seit 1998 ihre Niederlassung am Potsdamer Platz in Berlin.

Zu ihren Dienstleistungen zählen neben dem Objekt- und Veranstaltungsschutz auch der Personen- bzw. Begleitschutz. Anfang 1999 entstand der erste Kontakt zu WT in Berlin.

Geschäftsführer und Niederlassungsleiter Carsten Puzych hatte bereits erste Erfahrungen mit WT in Düsseldorf und Essen (dort befindet sich auch der M-Sec-Firmenhauptsitz) gemacht.


"Ich selber bin durch einen Kollegen in Essen auf WT aufmerksam geworden. Ich habe dann etwa ein halbes Jahr in Düsseldorf trainiert, bevor ich nach Berlin gewechselt bin. Dort fand ich meinen Sihing Michael Schneider, der die WingTsun-Schulen Berlin-Schöneberg und Berlin-Steglitz leitet, einen hervorragenden Lehrer", berichtet Carsten Puzych. Nach kurzer Zeit wurden bereits Lehrgänge für alle M-Sec-Mitarbeiter durchgeführt.

Das komplette Personenschutzkommando der Firma M-Sec bekommt mittlerweile Privatunterricht bei Sihing Schneider. "Ich habe bei Personenschutzausbildungen die Erfahrung gemacht, dass auch ehemalige Führungs- und Einsatzkräfte des Bundesgrenzschutzes und ihrer Elite-Truppe vom WT überzeugt werden konnten", betont Carsten Puzych.

Natürlich hat M-Sec zahlreiche Mitarbeiter an ihren bundesweiten Standorten, die bereits viele Erfahrungen in verschiedenen Kampfsportarten gesammelt haben. "Auch bei diesen Mitarbeitern ist es den WT-Lehrern gelungen, Interesse an WingTsun zu wecken", erzählt Carsten. "Ich habe jahrelang Judo trainiert, bevor ich über M-Sec an WingTsun herangeführt worden bin. Ich war sofort begeistert. Für unseren Job und gerade für mich als Frau ist es unglaublich effektiv", berichtet Personenschützerin Jessica. Die M-Sec Sicherheitsdienst GmbH wird auch in Zukunft auf die WingTsun-Prinzipien vertrauen.

© copyright by WT-Welt Redaktion, PF 1128, 69257 Wiesenbach

Fotogalerie von Michael Schneider
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